Die Liberalen im Berchtesgadener Land - MdL Dechant: Ein Kompromiss muss her!

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  • Wald mit Wild, statt Wald vor Wild. Ortsverband Bayerisch Gmain veranstaltet Diskussion zum Thema Jagd und Wald

    MdL Dechant: Ein Kompromiss muss her!

    (14.04.2010)

    Ortsvorsitzender Kurt Binder begrüßte die Anwesenden und den eigens angereisten jagdpolitischen Sprecher der FDP, MdL Thomas Dechant aus der Oberpfalz. Das Gespräch moderierte Gerhard Schröter. Die Versammlung bei der auch die Thematik „Wald vor Wild” heftig behandelt wurde, gab Gelegenheit ausgiebig zu diskutieren und hinreichend unterschiedliche Positionen zu beziehen. Kurt Binder informierte, dass circa 50 Personen nach der Ankündigung im Wochenblatt sich bei ihm meldeten und ihre Meinung zum Ausdruck brachten, man müsse mit dem Wald und Wild kompetenter umgehen und nicht nur abschießen.


    Zunächst brachte sich Dr. Schreyer, der frühere Leiter der Bayerischen Staatsforstverwaltung ein, der sagte, dass seit 20 Jahren der Abschuss des Schalenwildes notwendigerweise hoch- gefahren wurde. Nun seien hier 80 Prozent der Reviere in Ordnung, nur bei 20 Prozent seien die Abschüsse noch zu erhöhen.

    Hermann Siglbauer aus Waging sagte unmissverständlich, seit 10 Jahren würde die Jagd zu scharf ausgeübt. 90 Prozent der Bevölkerung, die tierfreundlich ist, kritisiere dies. Martin Kittl Landwirt und Waldbesitzer aus Übersee sagte: „Ich bringe meinen Wald hoch, warum schafft der Forst das nicht?” Er kritisierte die Holzprozessorschäden, der Wald sei immerhin Eigentum der Bevölkerung!


Dann meldete sich Ludwig Fegg aus dem Loipl von der Initiative „Wald,Wild und Mensch” zu Wort. Fegg verwies auf lange vergangene Sünden des Staatsforstes, die heute noch deutlich sichtbar seien. Früher sei tatsächlich zu viel Wild in den Wäldern sehr zu Lasten der Naturverjüngung gewesen. Berufsjäger und Bauern , die damals höhere Abschüsse gefordert haben, hatten damit bei der Forstleitung keinen Erfolg.

Heute werde zu scharf Jagd gemacht ! Fegg sagte, man könne heute in Wäldern sehen, wie in den 60er und 70er Jahren mit TORMOMA 80 oder 100 sowie mit Dieselöl und durch „Ringeln” ganze Baumarten aus einseitiger Sicht abgetötet wurden, hauptsächlich Buchen. Seine Initiative habe inzwischen über 14.000 Unterschriften gesammelt, es werden laufend und ständig mehr.

Dr. Daniel Müller vom Forstbetrieb Berchtesgaden äußerte sich dann zum Vorredner, der auf Prof. Dr. Moog verwiesen hatte. Dieser sei sein Doktorvater gewesen und würde differenzieren. Wild schaffe es nicht mehr die Buche überall im Aufwuchs zu bremsen. Aber im Bereich Weißwand und Fuderheuberg müsse nach seiner Auffassung – da dort Gefährdungen der Menschen durch Steinschlag zu vermeiden seien, also Sanierungsgebiete – konsequent gejagt werden. Am Nordzwiesel zum Beispiel herrsche dagegen Jagdruhe, die auch am Hintersteinbach und auf Teilen der Reiteralpe herrsche.

Krammer vom Hochberg bei Traunstein kritisierte erneut den Umgang mit dem Rehkitz Felix und zeigte sich darüber immer noch sehr betroffen. Viele Anwesende begleiteten diese Ausführungen mit Beifall. Die Grundsätze der Bewegungsjagd seinen einzuhalten so Krammer. Zur Thematik „Auflösung des Wintergatters Rossweg” bestehen offenkundig noch nicht endgültig geklärte Positionen, das ergab die Diskussion.

Hans Niederberger führte aus: „Die Sanierungsflächen werden an manchen Orten über ehemalige Freimaderflächen gelegt und nicht wie im Sanierungsbuch beschrieben, über verlichtete Waldflächen. Es hat sich gezeigt, dass diese ehemaligen Maderflächen in den letzten 50 Jahren auch ohne Sanierung langsam zuwachsen.”

Gerhard Schröter, der Eingangs schon auf einen goldenenMittelweg verwies, erläuterte auch, dass das Wild artgerechte Einstände brauche und die Winterwanderung in die Auwälder, die wegen der Verbauungen nicht mehr möglich sei, müsse eben in Wintereinständen - also gegebenenfalls Wintergattern – als gerechter Ausgleich gegenüber den Wildtieren vorgehalten werden.

Tierarzt Manfred Weindl BJV-Bezirksvorsitzender von Oberbayern kritisierte ständige Rehwildjagdprobleme und wollte von Dr. Müller wissen, wieviel Rehwildfütterungen er auf seinen 28.000 Hektar habe ? Hans Berger: „Es mache keinen Sinn ständig gegenseitige Schuldzuweisungen vorzunehmen es wäre besser miteinander zu arbeiten.”

Frau Poser vom Bund Naturschutz möchte sich bei künftigen Ortsbesichtigungen ein umfassendes Bild machen, dies stieß auf gute Resonanz. MdL Thomas Dechant, der alle Fragerunden mit Antworten begleitete, sagte sein Ziel sei es alle unter einen Hut zu bringen. Er selber sei vom Land und vom Bauernhofe stammend auch Jagdgenosse, der daran interessiert sei, dass der Wald hoch komme aber auch die Jagd verpachtbar sei. Ein optimaler Kompromiss in Interesse vieler Waldbesitzer müsse gefunden werden. Die bayerische Landeskultur, dazu gehören auch Jagdtrophäen an der Tracht, wolle dass das Wild auch im Sinne des Tourismus bei Tageslicht wieder gesehen werden kann. Man müsse die Situation eben auch regional differenziert betrachten.

Dr. Schreyer sagte, standortgerechte Waldverjüngung bedeute nicht, dass das Wild ausgerottet würde, standortgerechte Mischwälder müssten sein. Saubere Schuß- und Jagdkompetenz seien es, die den Jagddruck vermindern , Jagderfolge sichern und das Ansehen der Jägerschaft stärken, so Schröter abschließend.


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